Nordamerika

US-Energieversorger warnt vor Stromausfällen wegen KI

Aufgrund des hohen Energiebedarfs durch KI-Großunternehmen seien Stromausfälle in einigen Regionen der USA ab 2027 durchaus möglich, glaubt der Chef des größten US-Stromversorgers. Laut Einschätzungen kann der Strombedarf bis 2035 um fast 40 Prozent steigen.
US-Energieversorger warnt vor Stromausfällen wegen KIQuelle: Gettyimages.ru © Mario Tama

US-Verbraucher können mit Stromausfällen aufgrund der Belastung des Netzes durch die Künstliche Intelligenz bereits ab 2027 rechnen. Dies erklärte Calvin Butler, Chef des größten US-Energieversorgers Exelon, in einem Interview für die Zeitung Financial Times (FT). Höhere Strompreise wären ihm zufolge für Investitionen in neue Infrastruktur notwendig.

Es sei durchaus möglich, dass die US-Amerikaner im nächsten Jahr aufgrund eines Mangels an Kraftwerken in den Regionen des Nordostens und des Mittleren Westens ohne Strom blieben, hob Butler hervor. Im vergangenen Winter habe der Versorger kurz davorgestanden, an einigen der kältesten Tage des Jahres den Strom für rund 400.000 Kunden drosseln zu müssen, und es werde immer schlimmer.

Die Warnung erging vor dem Hintergrund der Bemühungen der Energieversorger und politischen Entscheidungsträger, den Strombedarf des KI-Booms mit der Aufrechterhaltung der Stromversorgung und niedrigen Preisen in Einklang zu bringen, betonte die FT. Laut Daten des Beratungsunternehmens ICF wird der Strombedarf bis 2035 voraussichtlich um 39 Prozent steigen. Auch die schwankenden Erdgaspreise sowie die Modernisierung veralteter und durch Witterung beschädigter Stromnetze trugen zu steigenden Kosten bei.

Der Stromnetzbetreiber PJM, der im Nordosten und Mittleren Westen tätig ist, prognostiziert für die kommenden zehn Jahre einen Stromengpass von 60 Gigawatt. Im Dezember meldete das Unternehmen ein Defizit von 6,5 Gigawatt.

Butler zufolge seien KI-Großunternehmen völlig überrascht und hätten den Widerstand gegen ihre Rechenzentren unterschätzt. Die Energieversorger seien für die hohen Kosten zum Sündenbock gemacht worden. Die FT zitierte:

"Ich kann kein Weltklassesystem betreiben, ohne in das System zu investieren … Ich erhöhe meine Gebühren aufgrund des von Ihnen angestrebten Wirtschaftswachstums.

Das geht nicht, ohne eine Gebührenanpassung zu beantragen. Das ist weder wirtschaftlich noch rechnerisch sinnvoll und funktioniert einfach nicht."

Ein Ausweg könnte darin liegen, den Energieversorgern den Bau und Betrieb eigener Kraftwerke zu erlauben. Die entsprechende Lobbyarbeit bleibe bislang aber erfolglos. Veränderungen seien kompliziert. Gesetzgeber handelten üblicherweise in Krisenzeiten besonders erfolgreich, meinte Butler, betonte jedoch, dass sie im Moment die Lage nicht als Krise wahrnähmen.

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